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Schwere Auseinandersetzungen um saudische Autofahrerinnen

„Frau am Steuer“, das ist hin und wieder auch in der westlichen Welt noch von manchen Männern als abwertende Bemerkung zu hören. Die Versicherungen sind da längst anderer Meinung. Statistisch gesehen, verursachen Frauen weniger schwere Unfälle, da sie insgesamt vorsichtiger unterwegs sind. Und deshalb zahlen sie vielfach sogar geringere Versicherungsprämien.

In Saudi-Arabien jedoch, sieht man das Thema vor dem Hintergrund islamistisch geprägter Sitten und Gebräuche weit verbissener. Strenggläubige sind der Ansicht, dass Frauen dort schon deshalb nicht fahren sollten, weil sie als Provokation wahrgenommen werden und deshalb möglichen sexuellen Übergriffen ausgesetzt sein könnten.

Fanatische Fundamentalisten drohen jetzt sogar mit Gewalt. Sie sind so sehr davon überzeugt, dass Frauen nicht selbst ans Steuer eines Autos gehören, dass sie für züchtigende Schläge mit einer Kordel plädieren. Eine Facebook-Initiative dieser Fanatiker sorgt derzeit für erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern.

Die Idee mit der Kordel stammt nicht von ungefähr. Jeder ordentlich gekleidete Araber hat nämlich stets eine bei sich. Damit wird die traditionelle männliche Kopfbedeckung, die Kufiya, die die Form eines großen Kopftuches hat, fixiert. Der Ursprung des Begriffs „Kufiya“ ist vermutlich von der irakischen Stadt Kufa abgeleitet. Die „Agal“ oder „Ikal“ genannte Kordel dient dazu, die Kufiya so auf dem Kopf zu befestigen, dass sie nicht verrutscht. Die Ikal besteht in der Regel aus einem wollenen Kern, der von schwarzen Fäden eng umwebt ist, um die erforderliche Festigkeit zu erzielen.

Dieser Kordel verdankt nun die Initiative gegen autofahrende Frauen ihren Namen „Kampagne des Ikal“. Mehrere Tausend Araber haben sich nach einem Aufruf bereits auf der Facebook-Seite der Initiatoren registriert und drohen damit, Frauen, die bei einer vorgesehenen Demonstration Mitte Juni das Fahrverbot missachten, auf der Stelle zu bestrafen. Einige ganz Besessene wollen sogar so weit gehen, Jugendliche im Vorfeld mit zusätzlichen Ikals auszurüsten, damit auch sie zuschlagen können.

Rein juristisch fehlt der Initiative die rechtliche Grundlage. Auch in den Medien des Landes wird das Thema heiß diskutiert und darauf hingewiesen, dass allenfalls das Fahren ohne Führerschein ein strafwürdiges Vergehen sei. Doch in Saudi-Arabien muss stets auch die Perspektive der Religionspolizei mit ins Kalkül gezogen werden. So erfolgten in der Vergangenheit gelegentlich Festnahmen, weil Frauen allein einen Wagen gelenkt hatten.

Mit „Women2Drive“ der „Association For Women’s Rights in Development“ hat sich eine Gegeninitiative gebildet, die für eine deutliche Liberalisierung eintritt. Zahlreiche Unterstützer setzen sich dafür ein, den Frauen im Straßenverkehr mehr Selbständigkeit einzuräumen. Die Mutigsten werden sich am 17. Juni hinters Steuer begeben, um ein Zeichen zu setzen. Aus dem Facebook-Portal der Bewegung wird daran erinnert, dass die erste Autofahrerin eine Frau war: Bertha Benz.

Einen Profiteur haben die Auseinandersetzungen auch schon. Mit klammheimlicher Freude verzeichnen Textilhändler eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Ikals. Die Preise ziehen bereits deutlich an.

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