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Frauen in Saudi-Arabien sollen Wahlrecht erhalten

König Abdullah, Saudi-Arabiens Oberhaupt, gilt als konservativer Herrscher. Im Alter von mehr als achtzig Jahren sieht er sich als Bewahrer und Schützer klassischer Werte seiner Kultur. Um so überraschender ist ein jetzt angekündigter Reformschritt: Frauen sollen bei der Kommunalwahl wählen dürfen. Doch das ist noch nicht alles; Frauen können sich auch selbst zur Wahl stellen.

Diese Änderung ist ein wirklich einschneidender Schritt für ein Land, in dem Frauen nicht einmal selbst am Steuer eines Autos sitzen. Traditionell ist die saudische Frau dem Manne untergeordnet, wichtige Entscheidungen kann sie nicht ohne ihn treffen. Wenngleich es viele ausgezeichnet ausgebildete Frauen gibt, so sind ihnen dennoch einige Berufe verwehrt. Andererseits werden nun die gewählten Kandidatinnen die Möglichkeit haben, in den Schura-Rat als Parlamentsmitglieder einzuziehen. Die Macht des Rates und der Kommunalvertreter darf jedoch nicht überschätzt werden. Sie beraten und sprechen Empfehlungen aus, das letzte Wort hat aber immer noch der König, der in seiner Entscheidung unabhängig bleibt.

Wie der Wahlkampf einer Frau in der Praxis aussehen könnte und wie sie ihr Mandat letztlich ausüben kann, darüber besteht einstweilen noch Unklarheit. Vollständig verschleiert, wie es die Gebräuche des Landes gebieten, wird es schwer sein, als erkennbare Persönlichkeit ins Bewußtsein der Wähler zu gelangen, so dass außer dem Namen und dem politischen Programm kaum Identifikationsmerkmale zur Person vermittelt werden können. Auch die parlamentarische Ausübung des Mandats wird nicht leicht werden, da ein direkter Umgang mit Männern, mit denen kein Verwandtschaftsverhältnis besteht, unschicklich wäre.

Zwar bedeutet der geplante Schritt keine vollständige Demokratie, aber er ist eine kleine Etappe in Richtung Modernisierung. Frauenrechtlerinnen begrüßen die Anerkennung und Aufwertung ihrer Rolle in der Gesellschaft. Gleichzeitig gilt die Entscheidung als Indiz dafür, dass die Revolutionen im arabischen Raum den Zeitgeist verändert und sich auch in Saudi-Arabien spürbar ausgewirkt haben. Die Ankündigung wurde durch eine Fernsehansprache des Monarchen verbreitet und kam für die meisten Bürger völlig überraschend.  Überall wird intensiv darüber diskutiert, besonders unter jungen Leuten.

Gespannt ist man insbesondere auf die Stellungnahmen der islamischen Gelehrten, die sich in der Vergangenheit aus religiösen Gründen oft gegen ein Wahlrecht für Frauen ausgesprochen hatten.

König Abdullah ist nicht nur Staatsoberhaupt sondern genießt, als offizieller „Hüter der heiligen Stätten“ auch unter Klerikern Hochachtung und Ansehen. Wenn jemand die Kraft hat, soziale Veränderungen integrativ zu vermitteln, dann er. Und er tut das mit der gebotenen Vorsicht, nicht radikal, sondern in kleinen, wohl dosierten Schritten, die eine langsame Gewöhnung ermöglichen. Damit straft er diejenigen Lügen, die ihm vorwerfen, er sei lediglich bemüht, mit hohem finanziellen Einsatz sämtliche Reformbemühungen ruhig zu stellen. Gleichzeitig hat er durch seine Entscheidungen Weichen gestellt, die eine Richtung vorgeben, die von späteren Herrschern wohl kaum wieder rückgängig zu machen ist.

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