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KAUST – Ein Zentrum für die Wissenschaft

Öl ist nicht alles, jedenfalls nicht mehr in Zukunft. Und weil König Abdullah sein Land auf kommende Herausforderungen vorbereiten will, hat er eine neue Universität ins Leben gerufen.

Nahe am Roten Meer ist die King Abdullah University of Science and Technology, abgekürzt KAUST, entstanden. Auf einer Fläche von 36 Quadratkilometern wurde eine hochmoderne „Insel der Forschung“ geschaffen. Dafür wurden mehr als 12 Milliarden US-Dollar investiert, um die Akademiker mit neuesten und fortschrittlichsten Einrichtungen auszustatten.

Nur 120 Kilometer sind es bis Mekka, dem Zentrum des islamischen Glaubens und dennoch unterscheiden sich beide Sphären erheblich voneinander. Während Mekka ganz vom religiösen Denken und traditionellen Werten bestimmt ist, ist das Universitätsareal eine Enklave freiheitlichen wissenschaftlichen Denkens ohne dogmatische Scheuklappen der Scharia.

KAUST schottet sich nicht ab, sondern setzt bewußt auf internationale Vernetzung, um in der globalen Technologie-Entwicklung an der Spitze mitspielen zu können. Soziale Netzwerke wie twitter, facebook oder flickr sind auf der Uni-Website integriert, in der arabischen Welt durchaus keine Selbstverständlichkeit. Auch bei der Zusammensetzung der Studierenden setzt man auf eine internationale Mischung. Sechzig Prozent der rund 2.000 Studenten sollen aus dem Ausland kommen. Mit Ausnahme Israels, denn KAUST öffnet sich nur für Studierende derjenigen Länder, zu denen Saudi-Arabien diplomatische Beziehungen unterhält. Dafür sorgen, sollen nicht nur Stipendien, sondern auch ein  höheres Maß an persönlichen Freiheiten durch eine liberalere Auslegung der Verhaltensvorschriften auf dem Campus, im Vergleich zu den sonstigen Landesgepflogenheiten, wenngleich zentrale Grundsätze wie das Alkoholverbot auch hier ihre Gültigkeit behalten.

Liberalität, das betrifft insbesondere die Rolle der Studentinnen, die hier mehr Entfaltungsmöglichkeiten haben sollen, als es sonst in Saudi-Arabien möglich wäre. Schon die Tatsache, dass beide Geschlechter zusammen arbeiten, ist für saudische Verhältnisse bemerkenswert, denn in konventionellen akademischen Bildungseinrichtungen, werden beide Gruppen auch in gemeinsamen Vorlesungsräumen durch Absperrungen voneinander getrennt.

Science and Technology, das bedeutet in erster Linie, dass Saudi-Arabien den Anschluss an die angewandten Ingenieurwissenschaften, besonders in den Bereichen Bio- und Nanotechnologie, Informatik und Neue Energien anstrebt. „Wissenschaft wird nun als Alternative zu den natürlichen Ressourcen gesehen.“, wird Samir Hamrouni, Forschungsdirektor an der Arab Science and Technology Foundation der Vereinigten Arabischen Emirate zitiert.

In KAUST zeigt sich auch das Bemühen, qualifizierte Fachkräfte durch attraktivere Forschungsbedingungen im Lande zu halten. Zu viele Akademiker sind nach Auslandsaufenthalten an Universitäten in den USA, Kanada und Großbritannien nicht mehr zurückgekehrt; es droht auf vielen Gebieten ein Expertenmangel, der auf lange Sicht durch aufwendiges Anwerben ausländischer Fachleute ausgeglichen werden müsste.

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