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Im Harem

Der Begriff Harem leitet sich von „haram“ ab, was so viel wie Tabuzone oder unverletzliches Gebiet bedeutet. So werden beispielsweise auch die den Nicht-Muslimen verschlossenen heiligen Areale von Mekka und Medina als „haram“ bezeichnet.

Im Morgenland ist dem Mann, anders als in der westlichen Welt, traditionell die Beziehung zu mehreren Frauen gestattet. Dabei wird zwischen den bis zu vier (Haupt-)Frauen und einer beliebigen Anzahl weiterer Nebenfrauen unterschieden. Sultans-, Fürsten- und Herrscherhäuser, häufig als „Serail“ bezeichnet, verfügten zur Unterbringung der Frauen im Palast, beziehungsweise in einer Residenz, über einen abgeschlossenen Bereich, den Harem. Dabei handelt sich um einen äußerst komfortabel ausgestatteten Wohntrakt, in dem es an nichts fehlt; die Damen sollten sich so wohl wie möglich fühlen. In der Regel gehört ein liebevoll angelegter Garten dazu, der von außen nicht einsehbar ist, damit die Bewohnerinnen sich auch im Freien aufhalten konnten.

Um diese Orte ranken sich seit Jahrhunderten viele Mythen und Legenden. Gerade deshalb, weil Außenstehende keinen Zutritt haben, trieb die Phantasie darüber, wie es drinnen wohl zugehen mag, reiche Blüten. Die exotische Ausstrahlung der Paläste und ihrer Harems hat Geschichtenerzähler, Dichter, Maler und Komponisten häufig inspiriert. Ein berühmtes Beispiel ist Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Haremsszenen finden sich auf zahlreichen Gemälden aus der Stilepoche des Orientalismus. Die meisten Künstler mussten sich dabei auf ihre Vorstellungskraft verlassen, da ihnen der Zugang zu einem echten Harem lebenslang verwehrt blieb.

Unter den Frauen herrschte oft eine streng gefügte Hierarchie. An der Spitze stand häufig die Mutter des Sultans; man unterschied zwischen Hauptfrauen, Favoritinnen, Nebenfrauen, Konkubinen und Sklavinnen. Neben den Bewohnerinnen eines Harems spielten der oder die Aufseher eine entscheidende Rolle. Um sicher zu gehen, dass zwischen den Frauen und ihren Aufpassern keine Liebesbeziehungen zu befürchten waren, bestimmte man dafür traditionell Eunuchen, als ihren Chef einen Obereunuchen. Die Frauen wurden nicht nur betreut, sondern auch unterrichtet. Im Harem kamen die Nachkommen zur Welt und wurden gemeinsam aufgezogen. Häufig lebten die ledigen Töchter eines Sultans bis zu ihrer Verheiratung mit im Harem. Aus dem Osmanischen Reich ist überliefert, dass einige Haremsdamen sogar maßgeblich Einfluß auf die Politik erlangten.

Der Aufwand zur Unterhaltung eines umfangreichen Harems ist beträchtlich. Und der Islam gebietet, dass ein Mann nur so viele Frauen haben darf, dass er auch tadellos für sie sorgen kann. Wirklich große Harems waren daher stets nur den sehr wohlhabenden Herrschern vorbehalten. Im Siebzehnten Jahrhundert soll es im Harem des Topkapi-Palastes rund 300 Räume und mehr als doppelt so viele Bewohnerinnen gegeben haben. Rekordverdächtig, doch dürfte unter solchen Umständen selbst der dynamischste Sultan irgendwann die Übersicht und auch seine Kondition verloren haben…

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