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Die Weihrauchstraße – Ein historischer arabischer Handelsweg

Als Weihrauchstraße bezeichnet man einen uralten Handelsweg, der vom Süden der Arabischen Halbinsel bis zum Mittelmeer führte. Ähnlich wie die legendäre Seidenstraße, die mit einem Netz von Karawanenpfaden den Mittelmeerraum mit Ostasien verband,  bildete auch die Weihrauchstraße eine Hauptader des frühen Warenverkehrs.

Die Bedeutung dieser frühen Verkehrswege lag nicht allein im Warenumschlag. Auf ihnen gelangten neben Händlern und ihren Spediteuren auch Forscher, Ideen, kulturelle Errungenschaften, religiöse Überzeugungen und nicht zuletzt die neuesten Nachrichten vom Morgenland ins Abendland und umgekehrt.

Der Ausgangspunkt der Route war Dhofar, eine Provinz im Südwesten des heutigen Oman, die im Süden der Arabischen Halbinsel liegt. Im Norden grenzt Dhofar an die saudische Provinz asch-Scharqiyya. Die Region gilt als historisches Weihrauchland, weil im Küstengebiet rund um Salala, im Hinterland und im küstennahen Dhofar-Gebirge der Weihrauchbaum weit verbreitet ist. Wichtige Stationen der Karawanenroute waren Schabwa, Sanaa, Medina und Petra im heutigen Jordanien. Die Pfade reichten bis nach Damaskus im Osten und nach Norden in den Mittelmeerhafen von Gaza, von wo aus die Weihrauch-Erzeugnisse dann per Seefracht weiterbefördert wurden. Die Gesamtstrecke von Dhofar bis zum Verschiffungshafen Gaza betrug etwa 3.400 Kilometer. Um diesen Weg zurückzulegen, war eine Kamelkarawane rund 100 Tage unterwegs.

Schon im Altertum hatte Weihrauch für kultische, liturgische und medizinische Zwecke eine hohe Bedeutung. Das aus der Weihrauchpflanze gewonnene Harz (Olibanum) galt als außerordentlich exotische und wertvolle Kostbarkeit und erzielte hohe Preise. Die Pflanzen-Bezeichnung „Boswellia Sacra“ zeigt, dass schon dem Gewächs eine herausragende Bedeutung zugemessen wurde. Der aromatische Rauch, der beim Verglühen des Harzes entsteht, galt als heilig und war bei vielen religiösen Zeremonien unverzichtbar. Bei manchen Riten ersetzte das Verbrennen von Weihrauch nach und nach die ursprüngliche Darbietung von Opfergaben. In der katholischen Liturgie hat Weihrauch auch heute noch, besonders beim Hochamt, eine große Bedeutung.

Schon seit dem 5. Jahrhundert vor Christus kam es zu einer steigenden Nachfrage nach Weihrauch im Mittelmeerraum. Im Römischen Reich wurden jährlich geschätzte 1.500 Tonnen verbraucht, mehr als die Hälfte der Produktion. Das führte zu wachsendem Handelsaufkommen auf der Weihrauchstraße. Die Ägypter nutzten schließlich den Seetransport über das Rote Meer als Alternative, um Teile des Handels an sich zu ziehen und die zahlreichen Wegzölle der Landroute zu umgehen.

Die Gattung der Boswellia-Gewächse gedeiht vor allem in Trockengebieten. Das Harz hat die Konsistenz kleiner hellbrauner, leicht durchscheinender Bröckchen. Man gewinnt es, indem die Baumrinde, im Frühjahr beginnend, immer wieder eingeritzt wird. Das austretende Harz wird aufgefangen und getrocknet. Die Harzausbeute kann pro Baum zwischen drei und zehn Kilogramm jährlich betragen. Der Transport größerer Mengen in Säcken wurde durch die Domestizierung des Dromedars um 1.500 vor Christus möglich. Mit ihm konnte man längere Strecken zurücklegen, ohne von Wasserstellen abhängig zu sein.

Schon die alten Ägypter verwendeten Weihrauch bei Kulthandlungen im Zusammenhang mit Mumifizierungen. Die Harzbröckchen wurden von ihnen als „Schweiß der Götter“ verehrt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Weihrauch für zahlreiche medizinische Anwendungen empfohlen und verordnet. Neben der kultischen Bedeutung wird dem Weihrauch auch die Fähigkeit zur Desinfektion und eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt, weshalb er auch heute noch in der Naturheilkunde im Gebrauch ist.

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