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Alhazen

Ein arabischer Gelehrter, der unvergessen ist

Alhazen, mit vollem Namen hieß er „Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham“ wurde im Jahr 965 geboren. Als wahrscheinlicher Geburtsort gilt Basra, eine Hafenstadt am Persischen Golf, die heute im Süden des irakischen Territoriums nahe Kuwait liegt. Doch damals sah die Landkarte noch ganz anders aus.

Das höchste, was der Mensch auf Erden erwerben könne, so Alhazens Motto, seien Wahrheit und Wissen. Um die zu erlangen, forschte er ein Leben lang. Um die erste Jahrtausendwende gehörte Alhazen gemeinsam mit Al-Biruni (mit vollem Namen Abū ‚r-Raiḥān Muḥammad ibn Aḥmad al-Bīrūnī) und Avicenna (mit vollem Namen Abū Alī al-Husayn ibn Abdullāh ibn Sīnā) zu den drei bedeutendsten Wissenschaftlern im arabischen Raum. Ihre Arbeiten und Erkenntnisse galten für die damalige Zeit als derart bahnbrechend, dass sie nach heutigen Maßstäben für den Nobelpreis in Frage gekommen wären. Historiker sind sich einig, dass alle drei mit ihren Arbeiten dem europäischen Wissensstand weit voraus waren.

Dabei waren die wissenschaftlichen Arbeiten in jenen Jahren noch nicht auf Fachbereiche eingegrenzt, sondern man befaßte sich mit selbst gewählten fachübergreifenden Problemstellungen. So kommt es, dass Alhazen auf ganz verschiedenen Gebieten tätig war. Besondere Verdienste hat er sich im Bereich der Optik erworben. Außerdem war er ein bedeutender Astronom und Mathematiker, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Geometrie.

Aufgrund seiner hervorragenden Ausbildung suchten Herrscher seinen Rat. Er erhielt angesehene Positionen, beispielsweise die des Wesirs des Kalifen in Bagdad. Aus diesem hohen Amt schied er auf eigenen Wunsch aus, um sich ganz der Lehre widmen zu können. Diese Entscheidung stieß auf Unverständnis, denn eine solche Stellung galt gemeinhin als Krönung einer Karriere. Vor dem Hintergrund zahlreicher Unruhen und kriegerischer Auseinandersetzungen in der arabischen Region, wandte sich Alhazen nach Kairo. Am dortigen Kalifat war ein „Haus der Wissenschaft“ ins Leben gerufen worden, einer heutigen Universität vergleichbar.

Er befaßte sich zunächst mit Plänen, den Lauf des Nils so zu beeinflussen, dass Überschwemmungen eingedämmt werden könnten. Damit hatte er jedoch keinen Erfolg. Danach wandte er sich der Optik zu. Seine Forschungsergebnisse gaben erstmals einen zutreffenden Einblick in die Zusammenhänge des Sehens. Vielerorts glaubte man beispielsweise noch, das Auge sende Sehstrahlen aus, die die Umgebung erkennbar machen. Alhazen fand heraus, wie das Auge wirklich aufgebaut ist. Sein Wissen erlangte er, indem er für Fragestellungen genau abgestimmte Versuchsanordnungen entwickelte, die aufeinander aufbauten. Ein systematisches Vorgehen, das heute selbstverständlich erscheint, damals aber eine völlig neue Form des naturwissenschaftlichen Arbeitens bedeutete. Aus religiösen Gründen konnte er allerdings nicht sezieren, um sich ein genaues Bild über den Aufbau der Organe zu machen.

Sämtliche Experimente hat Alhazen genau dokumentiert. Seine Schriften sind für Wissenschaftler späterer Generationen wertvolle Orientierungspunkte gewesen. Sogar die Möglichkeit, das Sehen durch Brillengläser zu optimieren wurde von ihm bereits erwähnt. Denn er war sich über die Grundlagen der Reflexion und der Lichtbrechung bereits im Klaren. Eine Erkenntnis, die erst sehr viel später in Europa praktisch umgesetzt werden konnte.

Leider wurde das „Haus der Wissenschaft“ später wieder geschlossen. Religiöse Dogmatiker hatten sich durchgesetzt, die eine allzu freie Ausübung der wissenschaftlichen Arbeit als ketzerisch ansahen. So kam es zu einem Einbruch der Forschungstätigkeit und arabische Forscher büßten ihren einst eindrucksvollen Vorsprung wieder ein.

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